Manchmal muss man auf eine Reise gehen,
um anzukommen.

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"Was bleibt, wenn alles geht?" - Ein paar Worte zum "Wörterbuch des Windes"


Nach "Liebten wir" ist "Das Wörterbuch des Windes" mein zweiter Belletristik-Roman für erwachsene Leser. Ich freue mich sehr, dass es trotz Pandemie zum ursprünglich geplanten Erscheinungstermin an den Start gehen konnte. Der Roman spielt auf meiner Herzensinsel Island. Und der große Wirtschaftscrash, der im Jahr 2008 so vielen Menschen die Existenz wegbrechen ließ, spielt darin eine wichtige Rolle. Was mich bei der Idee des Romans umgetrieben hat, war die Frage: "Was bleibt, wenn alles geht?" Kann man mit vierzig, fünfzig oder sogar siebzig Jahren nach einem schweren Verlust, einer Scheidung, einem finanziellen Bankrott noch einmal ganz neu anfangen? Und wenn ja, wie? Meine drei Hauptpersonen sehen sich genau mit dieser Situation konfrontiert - jede auf ihre Weise. Warum mir gerade dieses Grundthema so interessant erschien, liegt schlichtweg an Island, das ich so oft bereist habe. In kaum einem anderen Land sieht man mehr Menschen, die sich nach Biografiebrüchen oder Krisen in jedem Lebensalter auf erstaunliche Weise neu erfinden. Vielleicht ist es Teil der isländischen Mentalität, weil auf diesem sturmumtosten Vulkanfelsen im Nordatlantik Unsicherheit seit jeher einfach dazugehört - unberechenbares Wetter, raue Natur, Vulkanausbrüche, Erdbeben, Sturmfluten und menschengemachte Katastrophen wie der Bankencrash zeigen, dass die Inselbewohner sich nie zu sicher sein können. Es ist eine Insel der Winde, ein Ort stetiger Veränderung. Und so hat es mich gereizt, meine deutsche Hauptfigur Swea genau hier mitten in das Chaos zu werfen. Ihr bricht nach einem "Ehe-Crash" mitten im Urlaub in jeder Hinsicht der Boden unter den Füßen weg. Sie muss sich auf den "Weg des Windes" einlassen, manchmal auf sehr abenteuerlichen und unkonventionellen Pfaden. Und wer weiß - vielleicht kann der Roman Leserinnen und Lesern ja auch etwas Mut für den eigenen Umgang mit Veränderungen machen?

Hier als kleiner Teaser aus dem Roman:
Draußen holt der Regen nur kurz Atem, die Sonne blinzelt zwischen den Wolken hervor und lässt das reingewaschene Land glänzen. Und seltsamerweise fällt mir ein, was Kim einmal zu mir sagte: "In Indien nennt man solche Zeiten im Leben Monsoon Point. Du stehst im Nichts, die Regenflut hat alles Vertraute und Sichere weggespült. Alles Alte ist weggebrochen, und das Neue ist noch nicht aufgebaut." Und da sind wir nun, denke ich, versammelt in meinem Haus am Ende der Welt. Ein alter Mann, dessen Vergangenheit nur eine Lüge war, eine Touristin auf der Flucht, ein lahmendes Pferd und ein heimatloser Verlierer, der seine Zukunft in Alkohol ertränkt. Ich weiß genau, was meine Tochter jetzt mit einem ironischen Lachen sagen würde: "Damit ist der Monsoon-Club wohl komplett."

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